Hinweise und Beispielaufgaben zur Arbeit mit Statistiken - Sozialwissenschaften und Politik/Wirtschaft unterrichten

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Hinweise und Beispielaufgaben zur Arbeit mit Statistiken

Ausbildung > Medien + Material

Statistisches oder grafisches Material wird vielfach im Unterricht eingesetzt. Und es spielt sowohl in der medialen Darstellung von Sachverhalten wie in der Begründung von Positionen in politischen Kontroversen eine wichtige Rolle. Daraus begründet sich die Bedeutung einer Einübung in die sachgerechte Analyse sowie des Aufbaus eines Verständnisses für die Möglichkeiten der interessengeleiteten Interpretation solcher Materialien.


Ein anschaulicher Leitfaden: Die "Zoom-Methode"

Es gibt eine Vielzahl von Leitfäden für die Analyse von Statistiken. Der folgende Versuch einer anschaulichen Vereinfachung hat sich einerseits im Unterricht mehrfach bewährt und ist andererseits auch im Fachseminar auf positive Resonanz gestoßen. Jetzt schon herzlichen Dank für eigene Erfahrungsberichte, kritische Anmerkungen  oder Verbesserungsvorschläge. Hier die Grundidee des "Hinein- und wieder heraus-Zoomens" bei der Bearbeitung von Tabellen, Statistiken usw.:

  • Die Analyse beginnt "oben" mit der Überschrift - anhand derer das "Thema" der Statistik bestimmt wird. (1)

  • Dann geht es "unten" weiter mit der Benennung der Quelle und evtl. erklärenden Bemerkungen zu den Urhebern oder dem Veröffentlichungsort.(2)

  • Dann wird in der Regel anhand der Zeilenbezeichnungen ("außen" - 1) erklärt, welche Daten zu welchen Indikatoren (3) die Statistik bereitstellt und

  • meist anhand der Spaltenüberschriften ("außen" - 2)erläutert, worauf (d.h. auf welche Jahre, Personengruppen ...) sich diese Angaben beziehen. (4)

  • Dann geht es "in das Innere" der Tabelle, Statistik zunächst mit dem "Blick für das Grobe", d.h. für die wesentlichen Befunde/ Interpretationen (5)

  • Und dann zoomt man "noch weiter hinein", d.h. es werden wichtige Details, Auffälligkeiten, Ausnahmen (6) o.ä. erläutert.

  • Und schließlich zoomt man wieder hinaus und "betrachtet die Tabelle mit Distanz", d.h. erläutert offene Fragen, Unklarheiten oder Kritik an suggestiven Darstellungselementen (evtl. auch unter Rückbezug auf Urheber oder Herausgeber und deren jeweilge Absicht (7+ 8).


Das Grundprinzip lässt sich auf Tabellen und unterschiedliche grafische Darstellungen quantitativer Sachverhalte gleichermaßen anwenden. Die beigefügte Visualisierung der Methode kann einerseits zur Veranschaulichung dienen und andererseits zeigen, dass sie sich auch auf komplexere Statistiken anwenden lässt. (Diese Statistik wird u.a. auch in dem Beispiel zur Armutsstatistik (s.u.) verwendet.

Ein weiterer Leitfaden erklärt insbesondere für die Unterrichtsgestaltung sehr plausibel die Bedeutung der politischen Einordnung der Arbeit mit Statistiken.

Sensibilisierung für die Möglichkeiten manipulativer Gestaltung von Statistiken, Grafiken, Schaubildern

Im letzten Schritt der oben dargestellten Methode ist dann eine - vielfach erst nach genauer Analyse leistbare aber gesondert "trainierbare" - Fähigkeit gefordert: Das Erkennen manipulativer Gestaltungselemente. Diese umfassen z.B. (unvollständige Liste):

  • die zur  Intention des Urhebers "passende" Gestaltung von Maßstäben (insbesondere des Verhältnisses der Maßstäbe auf den beiden Achsen eines Diagramms);

  • die absichtsvolle Verwendung von Ausschnitten (z.B. x-Achse reicht nur von 80 - 100, statt von 0 - 100, bzw. die Stauchung von Achsen (grafisch oft nur durch Zickzack-Linien angedeutet)

  • die nicht-lineare Gestaltung von Achsen bzw. Werte-Verteilungen

  • die Verstärkung gewollter Eindrücke durch grafische Elemente


Hier ein Stundenkonzept
(Verlaufsplan und Material) aus dem Fachseminar Sozialwissenschaften am ZfsL Aachen (U. Krüger), das Möglichkeiten einer Sensibilisierung von Lernenden gut aufzeigen kann.

Rechnen in der Statistik - mehr als Spielerei (?)

Es ist vielfach zu beobachten, dass Lernende bei der Auswertung von Statistiken "nicht genau genug hinsehen" (oder nicht wissen, was die von Ihnen untersuchten Daten eigentlich aussagen). Dies führt dann natürlich dazu, dass in Bezug auf den eigentlichen Zweck - die Nutzung statistischer Materialien für die Begründung politischer Urteile oder für die Überprüfung der Urteile anderer - Leistungen von Lernenden hinter den Möglichkeiten zurück bleiben. Ein Element der Förderung des genaueren Umgangs mit Zahlen
(neben der grundsätzlichen Einbettung der Arbeit mit Statstiken in den Kontext politischer Fragestellungen) kann das "Rechnen in der Statstik" darstellen.

  • Dieser Baustein aus der Fachseminararbeit kann den Nutzen kleinerer Rechenaufgaben zur Erschließung von Statistiken leichter nachvollziehbar machen. Sie können ihn nutzen, indem Sie ihn in Eigenarbeit durcharbeiten. Danke für alle Rückmeldungen, Verbesserungsvorschläge oder Erfahrungsberichte (über das Kontaktformular).


  • Vergleichen Sie hierzu auch den Punkt 1 (Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung) in den Praxismaterialien zum Inhaltsfeld IV mit weiteren Materialien und einer Klausur inklusive Erwartungshorizont.



Der Wert der Kombination von statstischem Material mit Textaussagen

Eine in einen politischen Kontext eingebettete - und damit Genauigkeit erzwingende - Beschäftigung mit Statistiken lässt sich besonders wirkungsvoll durch die Kombination mit Texten erzielen.

  • Es ist dabei möglich, diese Kombination auf unterschiedliche Weise herzustellen: a) Schülerinnen und Schüler überprüfen bestimmte in Textform vorliegende Positionen anhand von Datenmaterial: Wodurch ließe sich die Position stützen, welche Daten lassen die Position kritikwürdig erscheinen. b) In der Rolle eines "wissenschaftlichen Mitarbeiters" des Textautors ( ..., Redners, Politikers...) haben Lernende die Aufgabe, aus einem Datenmaterial Argumente zur Stützung der Position für eine weitere Rede, einen weiteren Artikel etc. herauszuarbeiten. (vgl. dazu auch den nächsten Kasten zur kontroversen Anlage solcher Aufgaben.)


  • Eine fast ideale Möglichkeit ergibt sich natürlich, wenn Texte (Artikel, Politikeraussagen etc.) vorliegen, in denen mit den Lernenden bekannten Indikatoren oder gar mit im Unterricht bearbeiteten Daten argumentiert wird. Dies kann das Beispiel der folgenden Klausuraufgabe zeigen (und hier der zugehörige Erwartungshorizont).




Die rollengebundene Kontroverse um die Interpretation von Statistiken

Eine besonders nachhaltige Lernwirksamkeit kann die Arbeit mit Statistiken gewinnen, wenn die Fähigkeiten zur "geschickten Interpretation" selbst erprobt und damit die vielfältigen Möglichkeiten der manipulativen Argumentation mit Zahlen erfahrbar werden.

  • Aufbauend auf eine gründliche Erarbeitung der verwendeten Indikatoren ließe sich z.B. die weiter unten ("Armutsstatistik") verwendete Tabelle auch für die Inszenierung einer rollengebundenen Kontroverse nutzen: Welche Argumente würde ein Vertreter des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes mit Hilfe der Zahlen zu begründen versuchen - und was würde ein Vertreter der Bundesregierung in den Mittelpunkt rücken. (Die ebenfalls weiter unten aufgeführte Klausur und der Erwartungshorizont (dort Aufgabe 2 a + b) können zeigen, wie sich diese Daten bei einem angemessenen Verständnis "interessengeleitet interpretieren" lassen.)



Zum Beispiel: Armutstatistik in der Oberstufe

Vielfach bedarf in der Oberstufe die Beschäftigung mit Statistiken auch einer fachlichen Einarbeitung der Lehrkräfte in aus dem Studium nicht bekannte Inhalte. Diese ist aber Voraussetzung für einen Unterricht, der Lernende befähigt, den Aussagewert von statistischem Material angemessen zu erfassen und insbesondere auch dessen Grenzen bzw. interessengeleitete Interpretationen zu erkennen. Hier ein Baustein aus der Fachseminararbeit, der dies veranschaulichen kann:

  • Eine Liste von Fragen ermöglicht zunächst die - je nach Vorkenntnissen unterschiedliche - Einarbeitung in die Sache.


  • Anhand einer konkreten Statistik werden dann a) die notwendigen Vorkenntnisse der Lernenden für eine angemessene Interpretation geklärt, b) die politische Relevanz der Statitsik ermittelt und c) die Ansatzpunkte für kontroverse Interpretationen oder Kritik an der Statistik ermittelt. Alle drei Schritte können generell als wichtige im Vorfeld der eigentlichen Unterrichtsplanung zu klärende Fragen gelten.


  • Welche Kompetenzen auf dieser Grundlage erworben werden können, kann ein Klausurbeispiel zur gleichen Statistik und der dazugehörige Erwartungshorizont zeigen: Bei der Darstellungsaufgabe kann z.B. die "Zoom-Methode" (s.o.) angewandt werden. Gleichzeitg wird auch mit der "Rechenaufgabe" (s.o.) das Verständnis der Indikatoren überprüft). Die Analyseaufgabe erfordert sowohl die Kenntnis der verwendeten Indikatoren als auch eine Klarheit über den jeweiligen Aussagewert und die möglichen ungenauen oder fehlerhaften Interpretationen. Die Erörterungsaufgabe bezieht sich dann auf die Problematik unterschiedlicher Armutsdefinitionen.


  • Insbesondere zu letzterem finden sich weitere Praxismaterialien auf der Seite zum Inhaltsfeld V.



 
 
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